Sommerungen bald gefährdete Arten?
Betrachtet man ihre Anbauflächen in Deutschland, könnte man einige Sommerfrüchte schon fast in die Liste der gefährdeten Arten aufnehmen. Hafer und Leguminosen stagnieren bei je 200.000 ha, Sommerweizen und Sommerölfrüchte sind statistisch kaum mehr wahrnehmbar. Einzig Braugerste (um 600.000 ha), Zuckerrüben (400.000 ha) und Kartoffeln (300.000 ha) heben sich noch ab.
Diese Flächenverteilung hat natürlich Gründe. Winterweizen und Körnermais sind heute vom Deckungsbeitrag her die stärksten Kulturen. Sie sind auch die Früchte mit dem größten Zuchtfortschritt: Den jährlichen Ertragszuwachs von Körnermais im Praxisanbau kann man im Schnitt der letzten Jahre auf über 2 dt/ha beziffern, Winterweizen liegt mit 1,5 dt/ha nur unwesentlich schlechter.
Wirtschaften am Limit
Natürlich verstärkt der wirtschaftliche Druck diese Tendenz zu Wintergetreide eher noch, und auch die Agrarreform wird daran wenig ändern. Mancher Raps-Getreide-Betrieb, wenn er nur durchschnittlich wirtschaftet und sich nicht reich rechnet, hat schon heute eine kritische Grenze erreicht. "Hohe Erträge erzielen und gleichzeitig Kosten sparen" ist die Herausforderung für viele Betriebe. Sie verengen die Fruchtfolge in Richtung auf mehr Weizen und (wo möglich) Körnermais. Sie holen mit Frühsaaten noch mehr Ertrag. Sie entlasten die Arbeitsspitze im Sommer durch pfluglose Bestellung und sparen gleichzeitig Kosten der Arbeitserledigung. Aber: Sie wirtschaften in pflanzenbaulicher Hinsicht "am Limit".
Wie lange geht das gut? Diese Frage wird immer häufiger gestellt. Denn ein hoher Weizenanteil in Verbindung mit reduzierter Bodenbearbeitung birgt höhere Ertrags- und Qualitätsrisiken, die auch resistente Sorten und "Chemie" nur teilweise vermindern.
Kosten sparen zu Lasten der Qualität?
Erfolgreiche Betriebe unterscheiden sich von weniger erfolgreichen vor allem durch die Höhe ihrer Naturalerträge. Erhebungen in der Praxis lassen jedoch die Frage aufkommen, ob alle Landwirte beim Pflugverzicht die Erträge halten. Mulchsaat verlangt dem Betriebsleiter mehr Können ab als der Pflug. Mit den relativ geringen Kostenvorteilen eines gelegentlichen Pflugverzichts lassen sich Ertragsverluste nicht erkaufen.
Die Qualitätsrisiken werden uns gerade jetzt mit dem neuen Grenzwert für Mykotoxine deutlich gemacht. Was nutzt das schönste und kostengünstigste Anbauverfahren, wenn die Partie wegen zu hoher DON-Gehalte nur mit Abzügen zu verkaufen ist? Pflugloser Weizen nach Weizen und besonders nach Mais fördert die Fusarien. Die wichtigste Infektionsquelle sind Stoppelreste an der Bodenoberfläche. Auch beim Thema "Qualität" kommt es also entscheidend auf das Können des Landwirts an.
Mit "längeren" Fruchtfolgen kalkulieren
Eine verfahrene Situation? Wenn wir nicht immer nur die Leistungen der Früchte in einzelnen Jahren vergleichen, sondern die gesamte Fruchtfolge betrachten, eröffnet sich ein anderer Weg, den in Zukunft mehr Landwirte als bisher gehen könnten. Es gibt Berechnungen, die unterm Strich die Vorzüglichkeit "längerer" Fruchtfolgen belegen. So zeigen Kalkulationen an der FH Soest, dass an diesem Standort bei einem Ertrag von Stoppelweizen von 87 dt/ha der Hafer 61 dt/ha, die Erbsen 42 dt/ha und die Ackerbohnen 50dt/ha erreichen müssen, um im Deckungsbeitrag gleichzuziehen. Der Vorfruchtwert ist dabei einkalkuliert. Das allein macht die Sommerfrüchte nicht außergewöhnlich attraktiv. Interessanter wird es aber, wenn nicht nur die Deckungsbeiträge, sondern die Vollkosten berechnet werden. Dann brachte der Ersatz des zweiten von drei Weizen hinter Zuckerrüben durch Ackerbohnen in Verbindung mit Mulchsaat unterm Strich das beste Ergebnis. Eine ähnliche Tendenz zeigen Berechnungen anderer Institutionen.
In der Praxis gibt es weitere Argumente. Die "Mulchsaat-Kompetenz" muss beim Fruchtwechsel nicht ganz so hoch sein wie in einer getreidereichen Fruchtfolge. Man schläft vielleicht besser, wenn man in einer finanziell ohnehin angespannten Lage nicht auch noch ein hohes Risiko fährt. Politisch "aufgedrückt" wollen wir die erweiterte Fruchtfolge allerdings nicht bekommen. Das soll und muss jeder für sich entscheiden.
Halten wir als Ergebnis dieser Überlegungen fest:
Mulchsaat allein kann einen großen Kostenvorteil bringen. Ganz ausgeschöpft wird er aber durch die Erweiterung der Fruchtfolge. Und das bei geringerem Risiko für Ertrag und Qualität. Jetzt müssen die Züchter nur noch weiter an Ertragsstabilität und Erntesicherheit arbeiten, dann wäre dieses SYSTEM perfekt.
Thomas Preuße,
Chefredakteur der DLG-Mitteilungen

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Sommerkulturen - Aus der Tretmühle ausbrechen